Presse
KUNSTGRIFF: Dithmarschen zeigt mit Kulturprojekt Flagge
Presseinformation vom 02.07.2009
Von Landrat Dr. Jörn Klimant, Kreis Dithmarschen
Ein Beitrag für die Zeitung `politik und kultur`
des Deutschen Kulturrates
DITHMARSCHEN. Berufsverbände und Medien widmen ihre Aufmerksamkeit den leuchtturmartigen Kulturevents in den Metropolen. Künstlerinnen und Künstler entdecken das ländliche Umfeld als Arbeits- und Ausstellungsraum für sich. Mit seinem spartenübergreifenden Kulturprojekt KUNSTGRIFF macht der Kreis Dithmarschen die Kulturvielfalt in der Region sichtbar. Mit 63 Wort-, Bild-, Klang-Projekte an 27 Orten und rund 150 Akteuren stehen vom 28. August bis 13. September 2009 in ganz Dithmarschen die Fahnen auf KUNSTGRIFF. KUNSTGRIFF verlässlich zu kommunizieren, ist ein Weg, die kulturelle Grundversorgung im ländlichen Raum der Metropolregion Hamburg sicherzustellen.
KUNSTGRIFF startet Freitag, 28. August 2009, 19 Uhr im Kreishaus in Heide. Er bietet allen Künstlerinnen und Künstlern der Region und Gästen an 17 Tagen eine Plattform, um über ihre Arbeiten mit den Menschen im Flächenkreis sowie miteinander ins Gespräch zu kommen. Die erste Annäherung zwischen Kunstschaffendem und Publikum findet oft beim gemeinsamen Veranstaltungsauftakt statt, bei dem sich die Aktiven mit ausgewählten Arbeiten darstellen und für ihre Einzelveranstaltung und KUNSTGRIFF seit acht Jahren unter einem für alle verbindlichen Marketingdach kostenlos werben.
Die Möglichkeit, ein Künstlergespräch zu führen, einem Maler oder einer Bildhauerin bei der Arbeit über die Schultern zu schauen und Fragen zu stellen, ist beim KUNSTGRIFF größer als bei so manchem großen Kulturevent in der Metropole, die über die A 23 gerade mal eine knappe Autostunde entfernt von Dithmarschen liegt. Hier ist der Kontakt von Mensch zu Mensch, der Klönschnack, Teil des Kulturkonzepts. Das macht unter anderem den Charme und die Chance von KUNSTGRIFF aus; denn in Dithmarschen wird nicht nur nachgefragt, hier entsteht auch Nachfrage. KUNSTGRIFF ist kreative Wertschöpfung.
Der ländliche Raum bietet Raum für Begegnungen und für neue Gedanken. Das Spektrum aller Wort-, Bild- und Klangbeiträge ist breit. Akzeptanz und Bekanntheitsgrad dieses von Politik, Wirtschaft und Verwaltung getragenen Kulturprojektes steigt von Jahr zu Jahr - auch weit über die Kreisgrenzen hinaus, wie ein Blick ins umfangreiche, vierfarbige Programmheft zeigt. Die Menschen treffen sich innerhalb eines überschaubaren Radius zwischen Elbe und Eider abseits herausgehobener Galeriestandorte im bekannten Alltagsraum, in einer Fischfabrik etwa, einem Kuhstall, einer Klinik, einer alten Schule, einem Café oder dem Kreishaus. Das Dithmarscher Kulturprojekt in der Metropolregion Hamburg steht für bürgernahe Art der Kunstbetrachtung und -begegnung. So manches Treffen findet natürlich auch in dem Atelier statt, wo die Kunst entsteht.
Detlef Boysen, Hilfsrangierer bei der DEA und engagierter Förderer der Kunst, verhalf bereits in den 50er Jahren der Dithmarscher Stadt Meldorf, wie die Wochenzeitung DIE ZEIT anerkannte, zu "internationalem Kunstruhm". Nach französischem Vorbild erfand Boysen die "Kunstgalerie im Café" für ganz Deutschland neu. In gut 50 verschiedenen Ausstellungen zeigte er zunächst den Bürgern von Meldorf, dann den Bauern der Umgebung und bald der ganzen norddeutschen Öffentlichkeit, so DIE ZEIT 1955 über den Dithmarscher, "der das Schöne liebte", zeitgenössische Maler und Bildhauer, Töpferkunst und Goldschmiedearbeiten.
Trotz beschränkter Mitteln gelang es dem Dithmarscher als "Außenseiter unter den Mäzenen", selbst die Fachwelt von seiner bürgernahen Art der Kunstbetrachtung und -begegnung überzeugen. Mit seinem alten Fahrrad pedalte Boysen an die zwanzig Mal von Meldorf nach Paris und lebte dort unter Künstlern, um die Kunst aus erster Hand zu studieren. Der Dithmarscher Kunstfreund hat den Weg frei gemacht für das Verständnis von KUNSTGRIFF.
Mit der Aktion "KUNSTGRIFF macht Schule" werden engagierte Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher sowie andere motiviert, in einem innovativen KUNSTGRIFF-Projekt ihrer Wahl bei den jungen Menschen die Lust und Begeisterung für Kunst zu wecken. Bei der Jahresschau in der Neuen Holländerei präsentiert KUNSTGRIFF-Arbeiten (3. September bis 4. Oktober 2009), die der Berufsverband Bildender Künstler in Schleswig-Holstein ausgewählt hat. Freunde der Leinwandkunst kommen 2009 zum 8. Mal bei der KUNSTGRIFF ROLLE, dem Norddeutschen Kurzfilmfest (13. September ab 11 Uhr im Stadttheater Heide) auf ihre Kosten.
Mit ihrem jährlichem Budget von 14.500 Euro, dem Personaleinsatz der Dithmarscher Stabsstelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie den Sponsoren aus der Wirtschaft gelten für die Darstellung von KUNSTGRIFF geringere finanzielle Maßstäbe als für den Auftritt anderer Kulturevents in den Metropolen. Dennoch gelingt es der kommunalen Gebietskörperschaft Kreis Dithmarschen Jahr für Jahr durch innovative Ideen, die unter anderem von einer engagierten Arbeitsgruppe eingebracht werden, die Region zwischen Hamburg und Sylt auch kultur-touristisch zu einem Wirtschaftsfaktor und einer spannenden Destination zu machen.
Leuchtturmdenken statt Kirchturmdenken bedeutet im Kreis Dithmarschen Austausch, Zusammenarbeit und Vernetzung aller Beteiligten. Nach Ansicht des Berufsverbandes Bildender Künstler Schleswig-Holstein (BBK), der KUNSTGRIFF seit Jahren begleitet und Arbeiten für die zentrale Veranstaltung der Bildenden Kunst, die KUNSTGRIFF-Jahresschau, nach strengen BBK-Kriterien juriert, wäre es dem Verband unmöglich, Ähnliches in der Region zu organisieren.
Auch wenn sich mancher Berufskünstler öffentlich eher zur Metropole oder allenfalls zum Bundesland als zur ländlichen Kulturgemeinde mit seiner Breitenkultur bekennt, während so mancher Kritiker ihm das Wort redet, fällt das Votum des BBK klar und eindeutig aus: Wo auch gute Bildende Kunst ist, sollte sie gezeigt werden.
Dabei ist das Marketing über das Massenmedium Internet so wichtig wie die Print-Werbung. Auf www.kunstgriff.de findet sich bereits ein halbes Jahr vor Eröffnung des Kulturprojektes das komplette Programm. Die laufend aktualisierte Web-Seite www.kunstgriff.de ist sowohl die regionale Kulturadresse als auch die Plattform für Künstlerinnen und Künstler und an Kunst interessierte Gäste. Es ist zudem ein kostengünstiges Medium, um Kontakt zu Teilnehmerinnen und Teilnehmern aufzunehmen und Interessierte mit der Kultur im ländlichen Raum vertraut zu machen. Dies geschieht in engem Kontakt zum Dithmarscher Tourismus.
Die kommunale Gebietskörperschaft öffnet Künstlerinnen und Künstler den Weg aus dem stillen Kämmerlein heraus in den Flächenkreis. Das sei, so räumen selbst arrivierte Künstler ein, ein Muss für alle Kreativen, die ihre Ernsthaftigkeit beweisen wollen. In den vergangenen acht Jahren waren es gut 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die es ernst meinten mit ihrer Kulturarbeit, und die - über die KUNSTGRIFF-Zeit hinaus - die Kulturlandschaft im ländlichen Kreis Dithmarschen abwechslungsreich gestalten.
DOWNLOAD der gesamten Ausgabe `politik und kultur` 04/09 (pdf)
www.dithmarschen.de
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